Erotikliteratur, Belletristik
In der Bibel fängt es an
Seit jeher erregte die Erotik in der Literatur die Gemüter. Dabei enhielt bereits die Bibel deutliche Passagen, die von einigen Vertretern der Kirche gern immer wieder umgedeutet werden möchten. So steckt das Hohelied Salomos voller erotischer Anspielungen. Zwei Beispiele: “Mein Freund ist mir ein Büschel Myrrhen, das zwischen meinen Brüsten hängt” sowie “Dein Schoß ist wie ein runder Becher, dem nimmer Getränk mangelt. Dein Leib ist wie ein Weizenhaufen, umsteckt mit Lilien.”
“Nana” und “Lolita”
Danach wurde es einige Zeit still um die Liebe in der Literatur. Die Liebe wurde zwar weiterhin besungen, aber keineswegs deutlich und offensichtlich. Ein Klassiker der erotischen Literatur ist “Das Dekameron” von Giovanni Boccaccio aus dem 14. Jahrhundert. Hier erzählen sich drei Männer und sieben Frauen 100 erotische Geschichten. Es dauerte noch einmal einige Jahrhunderte, bis Emile Zolá mit seinen realistischen Schilderungen die Leser empörte. Im 19. Jahrhundert beschrieb er Vergewaltigungen, Liebesakte mit Minderjährigen und dergleichen mehr. Als Klassiker beschreibt “Nana” das Leben einer Prostituierten. Das Besondere dabei: Emile Zolá verfasste die Szenen detailreich und eng an die Realität angelehnt, so dass ein gelungenes Porträt der damaligen Zeit entstanden ist.
Vladimir Nabokov erregte 1955 mit seinem Büchlein Aufsehen in der Literaturszene. Mehrere amerikanische Verlage lehnten das Manuskript zuerst ab. Der Grund: Verdacht auf Pornografie. Der Roman “Lolita” erschien schließlich in Paris und erzählt die Liebe eines Wissenschaftlers zu einem zwölfjährigen Mädchen. Der Mann heiratet die Mutter des frühreifen Kindes, um immer in der Nähe von Lolita sein zu können. Doch am Ende steht nur der Tod. Das Buch wurde ein Bestseller.
Keine Tabus mehr
In aktuellen belletristischen Werken finden sich immer wieder erotische Passagen. Schließlich bewegt die Liebe und die Leidenschaft seit jeher die Seelen der Menschen. Die Schriftsteller greifen dies nur auf und setzen es mit ihren Worten um. Die Spanne reicht dabei von Unterhaltungsromanen (“Hot summer” von Megan Hart) über Hochliteratur mit zarten Tönen (“Schweigeminute” von Siegfried Lenz) bis hin zu Charlotte Roche mit ihrem skandalträchtigen Buch “Feuchtgebiete”. Dort werden auch die letzten Tabus gebrochen.